Einstein Marathon in Ulm

Am 27. September nahmen meine Frau und ich am Einstein/Sparkassen Marathon in Ulm teil, unsere jüngste Tochter lief den Beurer Halbmarathon. Ich hatte mich gut vorbereitet, war einerseits stabil im Training, gleichzeitig gut erholt, da ich zwei Wochen vorher auf 60% und eine Woche vorher auf 30% Trainingsleistung reduziert hatte. Ich war hoch motiviert, gut vorbereitet, gesund und voller Vorfreude.

Und dann sah ich die Menschenmassen: ca. 12.000 Läufer waren am Start. Ufffff, viel zu viele Menschen!

Das musste ich erst einmal verarbeiten, denn üblicherweise laufe ich immer alleine. Und die schiere Masse an Menschen stresste mich maximal. Das meine ich nicht auf eine lustige Weise, ich war wirklich vom ersten Moment an in einem für mich ungewöhnlich hohen Puls-Bereich.

Startbereich: Gefühlt waren alle 12.000 anderen Läufer vor mir…

Das erste Bild zeigt meinen Blick auf den Start-Bereich. Ich wollte vor dem Rennen noch auf die Toilette gehen, doch die Schlange war so lange, dass ich erst an der Reihe war, als mein eigentliches Start-Fenster schon vorbei war. Nun, ich wäre bei diesen Menschenmassen ohnehin nicht rechtzeitig hingekommen… So aber musste ich am Ende des Pulks noch einmal 40 Minuten warten. Da hätte ich mir auch mehr Zeit nehmen können…

Anspannung pur – auch schon vor dem Start…

Entsprechend angespannt und angefressen war ich, als es dann endlich losgehen durfte. Und da ich ziemlich weit am Ende der Schlange war, musste ich über die nächsten 10 Kilometer erst einmal am Pulk vorbei. Das war unglaublich stressig, mein Puls ging gleich rauf auf über 180 – und blieb dann auch dort.

Das ist kein besonders angenehmer Zustand: 180-195 als Puls über 3:32:56…

Anfangs hoffte ich noch, dass der Puls sich nach der stressigen Start-Phase beruhigen würde, doch der Punkt kam und kam nicht, bis ich dann ins Ziel mit 195 bpm Pulsfrequenz einlief. Zum Glück gab es ein Gerüst, an dem ich mich abstützen konnte, sonst wäre ich da gleich umgekippt. Nach über dreieinhalb Stunden bei dieser Pulsfrequenz war mein Körper restlos fertig.

Mit der Zeit bin ich eigentlich gar nicht so unzufrieden, ich hatte auf 3:20 gehofft, doch der völlig verbockte Start hat mich locker 10 Minuten gekostet – und durch den großen Stress fehlte mir am Ende einiges an Kraft, denn das musste ich bei den vielen kleinen Überholmanövern in den ersten 10 Kilometern verpulvern.

Leicht frustriert nach dem Lauf im Windschatten am Ulmer Münster

Letztlich liegt die Schuld für meinen während und direkt nach dem Rennen aufsteigenden Frusts ganz eindeutig bei mir. Vor acht Jahren bin ich hier den Halbmarathon gelaufen, da waren ca. 7.000 Menschen vor Ort. Also hätte ich schon ahnen müssen, was hier auf mich zukommen würde. Doch ich hatte das komplett verdrängt. Als absoluter Einzelgänger beim Laufen war das tatsächlich der unerfreulichste Teil des Laufs.

Mein Frust hat auch nichts mit der Organisation zu tun. Der Ulmer Marathon ist wirklich exzellent organisiert. Die Kommunikation funktioniert superb, ab der Anmeldung wird man regelmäßig via E-Mail über die Details des Rennens informiert. All das ist super. Nur passe ich nicht in eine Massenveranstaltung.

Mit meinen 3:32:56 kam ich auf Platz 183 von 928 männlichen Marathon-Läufern

Dennoch gibt es auch noch ein paar Aspekte, die mich versöhnlicher stimmen: Ich bin von 928 Männern (alle Altersgruppen), die den kompletten Marathon gelaufen sind, an 183. Stelle gelandet.

In meiner Altersgruppe war ich der 7. von 59 Teilnehmern.

In meiner Altersgruppe (50-55 Jahre) landete ich auf Platz 7 von 59. Damit kann ich wirklich zufrieden sein.

Mein Uhr hat ja mit GPS und den zusätzlichen Sensoren die Entfernung gemessen und kommt auf etwas mehr als einen Kilometer über der vollen Marathon-Distanz. Das lag sicher an den ersten 10 Kilometern, innerhalb deren ich so viele langsamere Läufer links und rechts (auch links und rechts der geteerten Straße) überholen musste. Dass die Zeit abweicht, hat sicher damit zu tun, wo der Sensor für die automatische Erfassung meinen Chip am Start und am Ziel gescannt hat. Ich habe mein Training beendet, als ich hinter der Ziellinie stehen blieb und mich am Gerüst festhielt…

Im Gegensatz zu meiner Erwartung kam ich auf 113 Meter Anstieg…

Beim Beurer Halbmarathon vor acht Jahren kam ich nur auf ca. 10 Höhenmeter/Anstieg. Dieses Jahr waren es dann doch gleich 113 Meter. Auf die volle Distanz gerechnet, bin ich mit dem Pace von 4:54/km wirklich zufrieden.

Die Erholungswoche ist gut zu erkennen…

Mein Fazit: Die Erfahrung dieses Laufs hat mich darin bestätigt, derart große Massenveranstaltungen in Zukunft komplett zu meiden. Das ist nicht meine Welt, ich möchte das nicht. Laufen ist toll, ich liebe es. Aber: Laufen im Pulk ist für mich die pure Hölle.


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