Aalen liegt genau am Rand der Ostalb, aus dem Tal (nun ja, ich wohne auf halber Höhe im Ortsteil Grauleshof) muss man erst mal rauf auf das Härtsfeld, ohne Höhenmeter kommt man da kaum vom Fleck. Beim Laufen merke ich das jeden Tag aufs Neue, denn in der Regel bringe ich im Verlauf meines Morgenlaufs gut 375-500 Höhenmeter (nur Anstieg) hinter mich.
Faszinierend ist es für mich, im Gegensatz zum normalen Programm auch einmal Läufe mit deutlich weniger Höhenmetern zu absolvieren. Zum Beispiel in Hamburg (letzte Woche) oder in Dänemark. Plötzlich werden ganz ungeahnte Kraftreserven frei, die vorher durch die Anstiege geschluckt wurden.
Nachdem ich am Samstag nicht laufen konnte (Fahrt von Hamburg nach Marielyst, Einrichten, Einkaufen, Essen herrichten, fertig, aus), nahm ich mir für den Sonntag einen längeren Lauf vor. Der Morgen kam, mein Wecker war so nett, mich pünktlich um 5:20 Uhr zu aktivieren, und dann ging’s auch bald schon los…

Zuerst merkte ich gar nicht, dass ich deutlich schneller unterwegs war als üblich. Doch irgendwann sah ich, dass Kilometer auf Kilometer mit einem Pace von unter 5:00 Minuten/km folgte. Und ich schaffte es, das Tempo weitgehend zu halten.

Nun ja, nicht weiter erstaunlich, insgesamt kam ich nur auf 23 Meter Anstieg, was – auf die 42,3 km verteilt – gefühlt „nichts“ ist.
Dennoch: 42 Kilometer haben es so in sich, dass man dann erst einmal etwas geplättet ist, also legte ich mich um 11:30 Uhr noch einmal hin und schlief etwas mehr als eine Stunde. Das fühlte sich wirklich gut an.
Heute dann der nächste Lauf, natürlich nicht schon wieder ein voller Marathon, das Ziel waren 21,1 bis 25 km, daran hielt ich mich auch:

Üblicherweise schleicht man am Tag nach einem vollen Marathon etwas vor sich hin und geht es gemütlich an. So hätte ich es erwartet, mit nichts anderem habe ich gerechnet.

Und doch: Die ersten zwei Kilometer lagen bei ca. 5:20/km, dann stieg das Tempo auf 4:50/km, dann 4:45/km. Nach ein paar Kilometern gab es ein schönes Panorama, das ich fotografieren wollte. Das dauerte ungefähr eine Minute, dann lief ich weiter. Plötzlich meldete die Uhr den nächsten abgehakten Kilometer. Mit einem Pace von 4:00/km. Ich war mir sicher, dass da ein Fehler vorliegen müsse. Bis dann der nächste Kilometer mit 3:50/km hereinkam – und das bei Gegenwind.
Alles in allem bin ich wirklich überrascht, dass es mir gelungen ist, einen Tag nach einem vollen Marathon so viele Kräfte zu mobilisieren. Dafür kann es meiner Einschätzung nach nur zwei Gründe geben: (a) den Mangel an Höhenmetern und (b) die kühleren Temperaturen. Nach Wochen mit 30+ Grad-Temperaturen in Aalen waren die 14 Grad heute früh einfach fantastisch. Ein absoluter Genuss!


Trotz der krassen Tempo-Zuwächse in diesen Tagen freue ich mich wieder auf die Höhen und Tiefen der Ostalb, denn – und das überrascht sicher niemanden – das Laufen ohne Höhenmeter in einer meist recht ähnlich bleibenden Künstenlinie ist nicht gerade die große Abwechslung. Da sind mir ein paar Höhenmeter lieber.

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